Innovative Schnittmuster

Im Nachholspiel des 25. Spieltags war der SC Paderborn inmitten seiner englischen Reisewoche beim SV Meppen zu Gast. Dort hatte man das Spiel bis auf Phasen der zweiten Halbzeit im Griff, vergab allerdings einige gute Möglichkeiten. Das Spiel endete folgerichtig torlos.

Mannschaftsaufstellungen

SV Meppen - SC Paderborn
Grundaufstellungen beider Teams

 

Meppen startete mit 4 personellen Veränderungen im Vergleich zur 1:3 Niederlage gegen Wehen Wiesbaden. Insbesondere kam der starke Senninger zurück in die Mannschaft und übernahm die Linksverteidigerposition in der 4-2-3-1-Grundordnung.

Der SC Paderborn stellte im Vergleich zum 2:0 Sieg in Bremen auf drei Positionen um. Wimmer ersetzte in der 4-1-2-3-Formation den gelbgesperrten Krauße, während Michel und Collins etwas überraschend von Zolinski und Herzenbruch ersetzt wurden.

Baumgarts Erklärung für den Wechsel auf der Linksverteidigerposition war die Zweikampfstärke Herzenbruchs, ein Argument, dass gerade in Anbetracht des Geschwindigkeitsdefizits desselbigen und der einhergehenden  Probleme mit schnellen Gegenspielern (bei Meppen zur Genüge vorhanden) etwas an Glaubwürdigkeit verlor.

Aus taktischen Gründen erklärt sich auch der Wechsel in der Offensive. Michel wurde von Zolinski ersetzt, der bei ähnlicher Menge an Tiefenläufen mehr defensive Unterstützung auf der starken linken Seite der Meppener liefern sollte. Warum nicht Tietz, zuletzt eher schwach, ausgetauscht wurde, erklärte sich schnell über die Häufigkeit von Vertikalpässen, die er festmachen sollte.

 

Paderborn in der Offensive

Auf dem tiefen Rasen wich Paderborn zu Beginn nicht von seiner Strategie des flachen und kontrollierten Aufbaus ab, auch wenn sich im Offensivspiel kleinere taktische Anpassungen ergaben.

Über die Anordnung bei Paderborner Abstößen kann ich keine Aussage treffen, da es in der ersten Hälfte schlichtweg keinen gab (ja, richtig gelesen). Eine Gleichsetzung mit denen in der zweiten Hälfte ( zwei an der Zahl), möchte ich nicht vornehmen, da sich das Meppener Pressingverhalten nach der Halbzeit änderte.

SV Meppen - SC Paderborn OFF1
Ausgangslage im Paderborner Spielaufbau

 

Meppen agierte in der ersten Halbzeit weiter zurückgezogen aus einem 4-4-2 Mittelfeldpressing gegen die gut geordnete Paderborner 2-3-2-3-Struktur. Im klassischen Schema orientierten sich die beiden Stürmer zuerst am alleinigen Paderborner Sechser Wimmer, um von dort auf den ballführenden Innenverteidiger herauszurücken.

Dieser Pressinglauf erfolgte dabei linear vom ballnahen Stürmer, während der ballferne weiterhin bei Wimmer verblieb. Auf den weiteren Positionen wurden lose Mannorientierungen auf die natürlichen Gegenspieler (RM-LV, RDM-LZM, LDM-RZM, LM-RV) aufgenommen, die sich in Ballnähe verschärften.

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Da man einem solchen Pressing häufiger begegnet, sind die Abläufe mittlerweile perfektioniert. Auf Anlaufen des einen Innenverteidigers verlagert dieser auf seinen Partner, der wiederum die enge Ausgangsposition des zuvor beim Sechser verbliebenen Stürmers, für aggressives Andribbeln ausnutzt. Sobald die erste Pressinglinie überspielt wurde, werden Diagonalpässe auf den ballfernen Achter, oder, falls möglich, auf Zielspieler Tietz gesucht.

(Es wäre eigentlich verhältnismäßig einfach, diesen Ablauf zu unterbinden, indem der pressende Stürmer, bogenförmig anlaufend, zuerst den Weg nach vorne zumacht. Alternativ, siehe hier)

SV Meppen - SC Paderborn o5
Reaktion auf Anspiel Tietz

Letztere Pässe bestätigten den Einsatz von Tietz. Dieser machte den Ball mit Rücken zu Tor und Gegenspieler gut fest, während ein Achter sich zentral für eine Ablage anbot. Dabei handelte es sich wohl nicht um die 1A Lösung des Problems, besser wäre eigentlich ein Aufrücken des Sechsers, sodass beide Achter im Halbraum verbleiben können und im Anschluss in einer gefährlichen Position anspielbar sind. Wimmer zeigte wenige Male ein solches Verhalten, war sonst aber eher (zu) absichernd.

Gleichzeitig begaben sich auch die beiden nominellen Flügelspieler (oder besser gesagt Halbstürmer) in die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidigung um in der Folge für Schnittstellenpässe zwischen den Innenverteidigern anspielbar zu sein. Hier zeigte sich auch die Schwäche von Tietz. Wenn dieser es schaffte, sich aufzudrehen, passte die Gewichtung und Präzision der Pässe nicht, sodass diese von einem Innenverteidiger, oder dem enorm antizipativ agierenden Torwart Domaschke abgefangen werden konnten.

Überhaupt war letzterer der Hauptgrund für die Erfolglosigkeit der Paderborner Taktik und die praktische Ineffizienz von zentralen Schnittstellenpässen. Während der Torwart bei Pässen zwischen Innen- und Außenverteidigung sein Tor weit verlassen und einen langen Weg zurücklegen muss, ist dieser bei zentralen Pässen eher kurz. Gegen eine tiefe Abwehr sieht man diese deshalb, unabhängig vom (Profi-)Niveau, eher selten.

SV Meppen - SC Paderborn Off6
Öffnung des rechten Halbraums

Wenn das direkte Bespielen der Tiefenläufe nicht gelang, wurden Angriffe vor allem über die Halbräume weitergeführt. Da die Doppelsechs weit zum Ball schob, und die Flügelspieler sich an den aufrückenden Paderborner Außenverteidigern orientierten war vor allem der ballferne Halbraum sehr offen. Sobald Ritter oder Klement den Ball erhielten, konnten sie ihre Übersicht und Ballkontrolle einbringen, die heranstürmenden Sechser aussteigen lassen einen Schuss oder Pass anbringen.

SV Meppen - SC Paderborn OFF7
Einwürfe

Die Prinzipien blieben auch bei Einwürfen erhalten. Bei diesen ballten sich beide Mannschaften weit auf einer Seite, Paderborn versuchte Angriffe durch Verlängerungen des entgegenkommenden Tietz zu starten. Die erzeugten 4-Raute-2-Staffelungen wurden in der Folge kurzzeitig erhalten und führten zu guten Abständen im Gegenpressing und sogar Kombinationsmöglichkeiten auf dem engen Raum.

Trotzdessen muss man die Rolle der Einwürfe etwas ambivalent sehen. Da beide Mannschaften sich eher auf die, aus Paderborner Sicht, rechte Seite fokussierten, prallte der Ball oft ins Aus. Beide Mannschaften hatten wenig Interesse sich aus den Engen zu lösen, sodass sich die Spielkontrolle dem Zufall an- und somit insgesamt anglich, aus Paderborner Sicht natürlich nicht bestrebenswert.

Zur zweiten Hälfte stellte Meppen sein Pressing um. Gerade der tiefe Paderborner Spielaufbau wurde deutlich enger an den Innenverteidigern zugestellt, da von Wimmer wenig Bedrohung ausging. Wenn doch Pässe auf ihn erfolgen sollten, dann eigentlich nur über Torwart Zingerle, der wiederum aggressiv von beiden Stürmern angegriffen wurde, während ein Meppener Sechser nach vorne presste und Wimmer zustellte. Der einzige Ausweg bestand somit im Spielen hoher langer Bälle, für die Klement und Ritter nicht die Statur besitzen, während sie auch für Tietz schwieriger zu stoppen sind als ein Flachpass.

Allgemein gelang es Meppen so, Unruhe im Paderborner Spielaufabu zu erzeugen und so nicht zwingend notwendige lange Bälle zu „erzwingen“.

Verändertes Pressing gegen mutigen Spielaufbau

Meppen agierte im Spielaufbau aus einer assymetrischen 3-3-3-1-Formation heraus. Das klingt nun seltsamer als es praktisch war. Es begab sich lediglich Senninger etwas höher, während Jesgarzewski (*Gesundheit!*) auf einer Linie mit den Innenverteidigern blieb. Wie aus dieser Anordnung schon zu vermuten, wurden die Angriffe vor allem über Senninger und seine linke Seite entwickelt.

SV Meppen - SC Paderborn DEF1
Ausgangslage Meppener Spielaufbau

Paderborn agierte im Pressing wie immer leitend, wollte das Spiel aber nicht auf die Außenbahn bringen, sondern Zugriff auf die Innenverteidiger erzeugen, um diese zu langen Bällen zu zwingen. Dafür lief Tietz den ballführenden Innnenverteidiger, im Rechtsfokus Posipal, bogenförmig an, während er Gebers im Deckungsschatten hält.

Gleichzeitig presste der ballnahe Flügelspieler, den gegnerischen Außenverteidiger in seinem Deckungsschatten haltend, von vorne kommend auf ihn , während ein Achter den tiefer bleibenden Meppener Sechser Leugers deckte.

Der SVM konnte sich dennoch einige Male flach aus der Paderborner Zange lösen, da Senninger seine Position ständig anpasste und so Zolinkis Deckungsschatten entkam. Unter anderem bewegte er sich noch tiefer als sein Innenverteidiger, sodass er den Ball zur anderen Seite verlagern konnte.

SV Meppen - SC Paderborn DEF2
Meppen löst sich über zurückfallenden LV

Dort wurde klar erkenntlich, dass der Pass auf die Außenbahn unter allen Umständen verhindert werden sollte. Jimmy stürmte in den Passweg zu Jesgarzewski, bevor er sich auf Gebers zubewegte.

In den meisten Fällen war es allerdings gar nicht nötig, dass Senninger weit zurückfällt. Da Zolinski keine Augen im Hinterkopf hat, gab es häufig auch höhere Passwege, in denen er sich anbieten konnte. Sobald der Pass dorthin erfolgte, pressten im Paderborner System sowohl der Achter, als auch der Außenverteidiger heraus.

SV Meppen - SC Paderborn DEF3
Angriffsschema bei Anspiel auf hohen LV

Gerade letzteres findet sich in allen Paderborner Spielen wieder und sollte, wie bereits von Münster, ausgenutzt werden. Im Moment, in dem der AV herausrückt, bieten sich Räume für den Meppener Flügelspieler. Dieser wiederum kann unter Zuhilfenahme des dritten Manns, in diesem Fall Wagner, geschickt werden.

Andernfalls war Senninger auch dazu in der Lage, sich im inversen Dribbling gegen die beiden heranstürmenden Paderborner durchzusetzen, um in der Folge den Pass nach außen zu spielen. Frage an Markus Krösche (Ich gehe mal davon aus, dass du das liest): Wie teuer wär der eigentlich?

Hier zeigte sich ein weiterer Unterschied zwischen Krauße und Wimmer auf der Sechs. Während ersterer aggressiv (in Anbetracht von 10 Gelben fast schon überaggressiv) auf den Mann geht und Wagner vor dessen Pass (oder Senninger bei dessen Dribbling) attackiert hätte, agiert Wimmer deutlich stärker absichernd und verbleibt zentral.

Das Schema Außen-Innen-Außen beziehungsweise AV-Wagner-Flügelstürmer fand sich nicht nur im kontrollierten Meppener Ballbesitzspiel, sondern vor allem auch im Konter wieder. In diesen konnte man noch stärker das Tempo seiner Offensivreihe ausnutzen.

Zu Beginn des Abschnittes hab ich geschrieben, dass man den Gegner zu langen Bällen zwingen wollte. Die Idee dahinter war recht klar. Mit Wimmer, Strohdiek und Schonlau hat man drei Recken in der Restverteidigung, während die Meppener Offensive eher klein ist.

Der SVM war sich dessen allerdings bewusst und spielte die Befreiungsschläge nicht vor, sondern deutlich hinter die Paderborner Kette. Ein Fehler im Nach-Hinten-Köpfen des Balls durch Schonlau führte fast zu Meppener Führung, andere Chancen wurden nur durch knappe Abseitsentscheidungen bereinigt.

Fazit

Das Spielniveau nahm in der zweiten Hälfte, wohl auch dem tiefen Rasen geschuldet, weiter ab. Paderborn kam durch den eingewechselten und somit frischen Michel zwar noch zu einigen Halbchancen, ließ aber das letzte Quäntchen vermissen. Viele Anspiele verfehlten ihr Ziel um einige Zentimeter, viele Annahmen verließen den Fuß um einige Meter.

Es bleibt am Ende ein Ergebnis, das das Paderborner Fanlager sehr ernüchtert stimmt. Gerade der 4:1 Sieg der Wiesbadener Verfolger drückt die Stimmung und lässt die Angst vor dem Nichtaufstieg umgehen.

Aus taktischer Sicht ist dem SCP aber schlichtweg kaum ein Vorwurf zu machen. Gegen einen tief stehenden Gegner kam man auf schwerem Geläuf, in einem Auswärtsspiel, in einer englischen Woche, erneut zu genug Chancen, um das Spiel für sich zu entscheiden, während man defensiv nur wenig gegen seine Nemesis (schnelle Gegner) zuließ.

 

 

 

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