Haue

Der SC Paderborn kassiert zu Gast im Erzgebirge Haue. Zunächst vom Gegner, zunach vom Schiedsrichter, zuletzt im Ergebnis.

Mannschaftsaufstellung

FC Erzgebirge Aue - SC Paderborn

Bei den Veilchen gab es im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Sandhausen nur eine Änderung in der Startaufstellung. Baumgart musste auf die Paderborner Bank und wurde von Kalig ersetzt. Dieser bemühte sich zwar eindringlich darum,den Platz früher verlassen zu dürfen, letztendlich traf dieses Schicksal aber Cacutalua, der als rechter Halbverteidiger bei einem Freistoß böse wegknickte. Insgesamt formierte sich bei Aue eine 5-3-2-Formation, deren genaue Rollenverteilung durch die defensiven Manndeckungen und das offensive Hochschieben Hochschiebs Hochscheids aber variabel gestaltete.

Auf Paderborner Seite gab es im Vergleich zur Vorwoche, der Niederlage gegen den FC Sankt Pauli lediglich zwei Veränderungen. Zum einen kehrte Schonlau als Innenverteidiger in die Startelf zurück, während seine Partner sich abwechseln durften, zum anderen begann in der Spitze Ben Zolinski. Zuletzt saß auch Philipp Klement wieder auf der Bank und durfte in der zweiten Halbzeit sein Comeback feiern.

Langsamer als ihr Schatten

Die Ausgangssituation im Paderborner Ballbesitz gestaltete sich so einfach wie repetitiv. Im hohen Mittelfeld- und Angriffspressing, welches sich auf Auer Seite durch die Paderborner Unfähigkeit, Angriffe in hohen Zonen zu halten, immer wieder ergab, suchten die beiden Stürmer enge Mannorientierungen auf die Innenverteidiger. Auch im Mittelfeld wurde ähnlich nah am Mann agiert; Hochscheidt nahm den zuerst zurückfallenden Paderborner Sechser auf, Fandrich verfolgte danach, Rückfallbewegungen der Stürmer wurden zuletzt von Riese verfolgt.

Der Spielvortrag durchs Zentrum wurde dementsprechend nahezu gänzlich vernachlässigt, riskante Kombinationen zur Aushebelung der Manndeckung lediglich improvisiert. Häufiger erfolgte der flache Aufbau auf den Flügel, wo der ballnahe Außenverteidiger vom Auer Flügelläufer attackiert wurde. Der diagonale Weg ins Zentrum blieb durch das leicht innere Herausschieben des Gegenspielers, vor allem aber durch die Besetzung des Zentrum von drei manngedeckten, chaotisch aufschiebenden Mitspielern wenig erfolgsversprechend.

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Möglich blieb die flache Verlagerung auf den fernen Flügel, der Sechserraum war durch die in Manndeckung ausartenden Positionen der beiden Stürmer offen. Wenig verwunderlich wurde dieser Pass nie gespielt, Paderborn verlagert schließlich nicht.

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In einer anderen, der wohl taktisch ansprechendsten Szene auf Paderborner Seite schob Schonlau bei Ballbesitz Collins als ballferner Innenverteidiger in den Sechserraum hoch – Die Entwicklung Schonlaus schreitet im Ballbesitz vor allem im Wahlpflichtfach Walterisierung weiter voran.

Das Ausspielen erfolgte meistens linear am Flügel. Gerade links war Tekpetey in diesen Momenten sehr breit anspielbar für Collins, konnte in dieser Position aber nur kaum von seinem Auer Gegenspieler, dem zunächst auf Kompaktheit der Kette orientierten Halbverteidiger aufgenommen, sondern erst bei Ballannahme angelaufen werden. Tekpetey konnte seinen Gegner entweder aussteigen lassen oder aber auf Michel spielen, der sich halblinks gerade in diesen Momenten etwas zurückfallen ließ, und durch das Fehlen zweier Verteidiger in der Kette nur ungern von Wydra verfolgt wurde.

Häufiger wurde auf Paderborner Seite der lange Ball in die Spitze gesucht. Dort standen mit Michel und Zolinski aber nicht nur kleine, sondern schlichtweg wenige Spieler zur Verfügung. Auch wenn einige Bälle über die Abwehr gefährlich, einige Angriffe nach Abstimmungsprobleme auf Auer Seite ausgespielt wurden, folgten vor allem viele Ballverluste.

Pöhlen mit Plan

Aue wurde im Vorfeld der Partie als eine der besten Ballbesitzteams der Zweiten Bundesliga aufgebaut, nun ja, ich kann dieser Einschätzung nicht wirklich folgen.

Zwar gab es Momente guter Sechsereinbindung im tiefen Spielaufbau, zwar wurden einige Abstöße über Vorschieben Wydras in den Sechserraum gut aufgelöst, in der Summe dominierten aber auch bei Aue lange Bälle. Dies ist neben den im vergangenen Artikel herausgestellten Gründen vor allem insofern ärgerlich, als dass man die Vorbereitung dieser Aktionen im Fernsehbild nicht erkennen kann. Im Gegensatz zu statischen und kleinräumigen Szenen muss ich bei langen Bällen in erheblichem Maße extrapolieren, was in Vorbereitung geschah.

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Insgesamt schien bei Aue ein Fokus auf diagonale lange Schläge vorzuherrschen. Eine erste wiederkehrende Situation, in welcher diese auftraten, war der Spielaufbau über die linke Seite und die folgende weite Verlagerung auf Kalig. Da die initial ballfernen Paderborner Flügelspieler hochschieben (beim erstem Pass auf Kusic wird dieser von Zolinski angelaufen, Michel hält Kontakt zu Wydra, während Tekpetey hochschiebt), musste Collins anlaufen. Infolge dieses Anlaufens befanden sich in der letzten Paderborner Reihe natürlich nur noch 3 Mann in Gleichzahl mit Terstroet, Iyoha und Hochscheidt, sodass Halbfeldflanken die häufigste Anschlussaktion darstellten. Gelegentlich wurden auch Steilpässe am Flügel gespielt, auf die sich Terstroet in die Tiefe bewegte.

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Gerade diese Steilpässe liefern eine gute Illustration des grundsätzlichen Verhaltens der beiden Auer Stürmer. Anders als klassische Stoßstürmer agierten diese neben der Paderborner Kette, nur selten aber in den äußeren Schnittstellen dieser. Dadurch konnten sie nicht nur bei direkten langen Bällen aus der Verteidigung in Kopfballduelle gegen die kleinsten Gegenspieler gehen, sondern auch die engen Positionen der Paderborner Kette, so geschehen bei beiden Treffern, in weiterer Entwicklung der Angriffe ausnutzen.

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Für die direkten langen Bälle aus der Abwehr positionierte sich Kusic links sehr breit, häufig an der Außenlinie, um den Paderborner Zugriff im Pressing zu erschweren, sich selbst mehr Zeit zu verschaffen und zuletzt, durch die relativ frühe Erwartung und das daraus folgende Zurückfallen der Paderborner Kette, Platz für Hochscheidt vor eben dieser zu schaffen.

Hochscheidt zeigte sich, als zentraler Spieler zwischen den Innenverteidigern oder etwas weiter zurückfallend, als Schlüsselspieler der Auer Spielweise. Neben seiner überragenden Verarbeitung langer Bälle vor die Kette zu Schnittstellenpässen überzeugte er auch in anderen Phasen mit seinem überragenden Timing.

Lotterie

Es war immer mein Verständnis, dass auf Tätlichkeiten ein Platzverweis folgt. Anscheinend habe ich mich damit geirrt.

Es ist für mich nicht mal wirklich interessant die Tätlichkeiten einzuordnen. Im Gegensatz zu taktischen Fouls haben diese keine Systematik und damit keinen zu analysierenden Effekt auf eine Spiel. Nichtsdestotrotz hat eine Unterzahl immer einen Einfluss auf die Erfolgschancen, als Erklärung für ein Ergebnis können sie auf einer allgemeinen Ebene immer dienen.

In der zweiten Hälfte stellte Paderborn in Unterzahl auf ein 4-3-2 um. Im tiefen Aufbau bedeutete das eine dreifache Besetzung des Zentrums. Logischerweise sucht man eine solche erst in Unterzahl. Nun ja. Aue spielte seinen Stiefel weiter runter, hatte noch einfachere Verlagerungen, da das Paderborner Pressing systematisch den ballfernen Flügelspieler aussparte und konnte lange Bälle in noch extremere Unterzahlen einfacher Verteidigen. Paderborn kam in der Schlussphase zwar noch zum Anschluss, das Spiel entschied sich aber über die Verstärkung der ohnehin vorhandenen Auer Vorteile in Überzahl.

Fazit

Wie kann man bei einem Gegner, dessen Spitzname „Veilchen“ lautet, dessen Stadtname in „Haue“ enthalten ist und fast „Aua“ lautet, ein angenehmes Spiel erwarten?

Anscheinend gar nicht. Auf unebenem Geläuf ist der SCP bereits in der ersten Halbzeit den passend angelegten Auer Angriffen unterlegen, bevor der Platzverweis zur Halbzeit das Spiel entscheidet.

 

 

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