Gähn

Viele Fußballspiele sind enorm unspannend. Solche Partien erkennt man dadurch, dass einen das mächtige Gefühl überkommt wegschalten (am Fernseher), wegschauen (im Stadion) oder gehen (an Plätzen im Ameteurbereich) zu möchten.

Bei dem taktischen Blick auf Spiele, den ich mir angeeignet habe, ist die Wahrnehmung von Spielen nicht immer deckungsgleich. Mannschaften wie Guardiolas Bayern oder ManCity, die nahezu jedes Spiel gewinnen und für die Langeweile dieses Erfolgs kritisiert werden, erscheinen mir oftmals als spannend.

Doch auch der umgekehrte Weg existiert. Knappe Ergebnisse, spannende Schlussphasen, Kampf, stereotypisch attraktive Merkmale machen Partien häufig nichtssagend und analytisch uninteressant. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

In der Analyse möchte ich immer sehen, dass Teams einen defensiven Plan, strukturell harmonische, synchronisierte und effektive Abläufe haben, während dieser Plan in der Offensive mit taktischen Gegenmitteln behandelt und durch individuelle Variationen auseinandergerissen wird.

Es ist in allen Phasen des Spiels immer eine Mischung aus Geometrie, Rhythmik und Überraschung, analog zu Architektur und Kunst, Musik und Tanz, die Fußball interessant machen

Langer Rede kurzer Sinn: Viele Spiele sind langweilig. Und Paderborn zieht, trotz aller Mühe, Tempo und offensive Spontanität in die Spiele zu bringen, durch die immergleichbleibende Grundausrichtung eine gewisse Gleichförmigkeit an. Dieser Blog ist in besonderer Untertan von Variationen im Paderborner Spiel und befasst sich, sollten diese ausblieben, hauptsächlich mit dem hoffentlich interessanteren Gegner.

Ein paar Worte

Doch Sandhausen war schlichtweg nicht interessant. Lange Bälle vom Torwart in Richtung eines gegnerischen Außenverteidigers. Überladen der Zielzone durch Herüberweichen der Doppelspitze. Tiefere, phasenweise klar im Halbraum orientierte Flügelspieler und überlaufende Außenverteidiger. Nichts von diesen Dingen ist wirklich der Rede wert. Dass die Außenverteidiger in der zweiten Hälfte klare Manndeckungen auf die Paderborner Flügel aufnahmen und Diekmeier so situativ an der linken Außenlinie gegen Tekpetey verteidigte, entsprach zwar dem Slapstick, der die Partien gegen Koschinats Köln in der vergangenen Saison ausmachten, sind aber letztlich, da unausgenutzt und damit ohne Wirkung, nicht wirklich der digitalen Tinte wert.

Zu einem Spiel gehören natürlich immer zwei, und Paderborn bekleckerte sich nicht wirklich mit Ruhm. Auch wenn man über die Mittelfeldbesetzung mit Gjasula und Vasiliadis Einsatz in der Spitze Überzahlen im Zentrum herstellen konnte, blieb der Rhythmus zu unruhig, die Vorwärtsläufe aus dem Mittelfeld zu massiv und die hohe Zirkulationsstaffelung inexistent. Mehr noch führte der Fakt, dass Paderborn mit nur einem Sechser und zwei höheren Achtern spielte, in Verbindung mit der starken Fokussierung auf die Außenverteidiger, eng verfolgt tief zurückfallend, zu recht instabilen Übergängen ins Zentrum.

Paderborn dominierte das Spiel natürlich trotzdem, kam gegen die mannorientierte, das Zentrum aufgebende Sandhäuser Spielweise, sowie durch das komplette Unverständnis einiger Sandhäuser Spieler von kollektiver Defensive (*hust* Förster *hust*) recht problemlos in Strafraumnähe, und hatte dort einige Abschlüsse. Diese aber erfolgten bis in die zweite Halbzeit stets aus der Distanz. Mehrfach stießen die Außenverteidiger vor und versuchten von der Strafraumecke ihr Glück, mit Schüssen, die nichts anderes brauchen als Glück.

In der zweiten Hälfte gab es dennoch mehrere Chancen. Allen voran konnte Michel sich durch die äußeren Schnittstellen der Kette aufs Tor bewegen und zu guten Abschlüssen kommen. Abschlüssen, die durchgehend in den TorwarthandSCHUHEN endeten. Es brauchte am Ende einen Elfmeter, einen weiteren Distanzschuss, der Guedes Arm traf und gemäß der fragwürdigen UEFA-Auslegung zu einer folgerichtigen Interpretation führte.

Fazit

Paderborn hat gegen einen durchschnittlichen Gegner alle Karten in der Hand und schmeißt diese durch mangelnden Rhythmus, Ruhe und Geduld ohne Not weg. Der SCP holt mit 26 zu 12 Schüssen nur einen Punkt beim Tabellenfünfzehnten, Sandhausen verliert kurz vor Schluss zwei wichtige Punkte. Die Reaktionen auf den in Anbetracht des späten Elfmeters nicht vorhandene Spielzeit nach eben diesem zeigte, dass keines der beiden Teams mit diesem Spiel zufrieden war – und wenn dieser Blogeintrag eines sagt, ich bin es auch nicht.

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