Goal in One

Drittes Saisonspiel, erster Punkt.

Nachdem der SC Paderborn bereits im ersten Saisonspiel bei einem Werksclub zu Gast sein durfte, wurde dies in der zweiten Auswärtspartie wiederholt. Dass das Spiel damit zum dritten Mal in Folge kaum jemanden in der Fußballwelt so richtig interessieren dürfte, sei mal dahingestellt. Dass die Partie über weite Teile nicht wirklich hochqualitativ war, wird dadurch klar, dass ein Foulspiel der wohl größte Aufreger gewesen ist.

Mannschaftsaufstellungen

Paderborn änderte im Vergleich zur Partie gegen den SC Freiburg personell nichts. Die Verteidigung wurde vor Torwart Huth von Dräger, Hünemeier, Strohdiek und Collins besetzt. Glücklicherweise konnte letzterer seine defensiv überragende Form aus den vergangenen Partien konservieren, während der Paderborner Kapitän ebenfalls einen besseren Tag erwischte.

Die Rollenverteilung im Mittelfeld zeigte sich klarer, da Gjasula eindeutig auf der Sechs spielte und Vasiliadis so die Möglichkeit gab, höher zu schieben. Auf den Flügeln agierten Jimmy und Souza in flexiblen Rollen aus denen sie, gerade in der zweiten Hälfte, häufiger in den Halbraum zogen. In der Spitze agierten abermals Michel und Mamba als mittlerweile eingestimmtes Duo.

VfL Wolfsburg - SC Paderborn

Auf Wolfsburger Seite setzte Oliver Glasner  auf ein 3-4-2-1-System. In diesem wurde die erste Reihe vom sehr geradlinig passgebenden John Antony Brooks auf der linken Seite, dem insgesamt überragenden, defensiv für die Tiefensicherung verantwortlichen und offensiv Laserpässe in alle Richtungen ballernden Josuha Guilavogui im Zentrum und dem eher unauffälligen Robin Knoche auf der rechten Seite besetzt.

Die Doppelsechs wurde zum Start vom weiträumigs spielmachenden, grundsätzlich auf der Sechs postierten, in vereinzelten Momenten aber auch breit ausweichenden MaximilianArnold sowie von Xaver Schlager, einem der flexibelsten und intelligentesten jungen Spieler der Welt besetzt. Nach dessen früher, schlimmer Verletzung, kam Yannick Gerhardt auf den Platz und agierte etwas weitäumiger, insbesondere häufig mit Vertikalläufen aktiv, wenngleich teilweise unpassend in Offensivräumen präsent.

Die Flügelläufer wurden von Jerome Roussillon und William gestellt. Auf der Zehn fanden sich währenddessen Joao Victor, der in diagonalen Tiefenläufen stark, ansonsten aber unauffällig war und Josip Brekalo als wohl wichtigster Wolsburger Offensivakteur wieder. Der junge Kroate konnte Angriffe immer wieder über sein Aufdrehen im Halbraum beginnen und war auch ansonsten immer für Ablagen Weghorsts erreichbar. Der holländische Mittelstürmer ist ohnehin ein absolutes Monster. Mit seinen 1,97m Körpergröße ist er ein natürlicher Zielspieler, gleichzeitig aber auch stark im kreativeren Passspiel und der Defensivarbeit.

Lose Muster

Woldsburg hatte mit Ausnahme der Schlussphase der zweiten Halbzeit ein durchgehendes Übergewicht im Ballbesitz. Ähnlich wie die beiden vorherigen Paderborner Gegner agierte man aus einer 3-4-2-1-Staffelung im Ballbesitz.

Im Detail gab es dabei natürlich Unterschiede, die Paderborner Reaktion war aber bekannt. Aus einem 4-4-2 startend, positionierte man sich in einem hohen Mittelfeldpressing. Es wurde nicht durchgehend Druck erzeugt, stattdessen wurde zunächst die Kompaktheit des Blocks gehalten, um Ballgewinne nach Anspielen in diesen zu erzwingen.

Die beiden Spitzen schoben im Speziellen eigentlich nur dann vor, wenn ein Pass auf den Halbverteidiger länger unterwegs war. In diesem Fall schob der ballnahe Stürmer direkt auf Balldruck vor, während der ballferne Guilavogui besetzte. Der Flügelspieler attackierte währenddessen in einem äußeren Bogen, der Sechserraum wurde durch ein Vorschieben des ballnahen Sechsers attackiert.

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Typisches Paderborner Anlaufen auf den Halbverteidiger

Wolfsburg nutzte dieses Verhalten schnell zu seinem Vorteil. Insbesondere dann, wenn Brooks den Ball hatte, ließ sich Brekalo aus dem Halbraum zurückfallen, um auf Höhe der Paderborner Mittelfeldlinie aufdrehen zu können. Da der ballnahe Sechser im Pressing nach vorne lief, wurde ihm dabei mehr Platz und recht viel Ruhe gegeben.

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Brekalo fällt zwischen Vasiliadis und Souza zurück, um eine Ablage zu spielen.

Paderborn reagierte recht schnell darauf, ließ zuerst die Sechser tief und danach das gesamte Pressing ruhen. Gegen die nun passiver agierenden Paderborner wiederholte Wolfsburg seinen Ablauf dennoch. Brekalo ließ sich nun in die engere Schnittstelle zwischen Sechser und Flügelspieler fallen, wurde aus der Blindside kommend aber zu spät wahrgenommen, sodass er auf kleinem Raum weiterhin aufdrehen konnte.

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Arnold erhält eine Ablage von Brekalo und spielt sofort eine hohe Verlagerung.

Eine kleine Variation dieses grundsätzlichen Ablaufs bestand darin, eine Ablage auf Arnold zu spielen, woraufhin dieser sofort eine hohe diagonale Verlagerung auf William spielte. Ansonsten wurde Guilavogui nun deutlich aktiver im Spielaufbau und ballerte Laserpässe in alle Richtungen, auf Brekalo, Victor und Weghorst. Das Problem dieses zentraleren Spielaufbaus bestand lediglich darin, das beide Zehner in Erwartung von Pässen zurückfielen und die Offensivbesetzung damit abnahm.

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Victor fällt früh, Guilavogui findet ihn mit einem Laserpass

Auch wurde das Muster dann weniger effektiv, wenn Gerhardt in den Halbraum hochschob. Zwar schaffte er damit die dringend benötigte Offensivpräsenz, allerdings erlaubte er der Paderborner Doppelsechs, die nun nur noch einen Sechser vor sich hatte, tiefer und breiter zu fallen und die Schnittstellenpässe damit besser zu verteidigen.

Überdies waren noch andere Elemente des Positionsspiels zu erkennen. So scheint die Besetzung der Außenverteidigerräume, also der Position neben dem Paderborner Mittelfeld Pflicht zu sein. Die Flügelspieler schoben in tiefen Phasen nur dann merklich hoch, wenn Arnold diese Poistion nach außen weichend übernahm.

Durch diese Position sollte derselbe Ablauf, der auch schon bei Freiburg erkenntlich war, ermöglicht werden. Der Flügelläufer erhält dabei den Ball, überwindet mit dem ersten Kontakt die Mittelfeldlinie und spielt daraufhin einen flachen Diagonalball, den Weghorst ablegen oder in die Tiefe weiterleiten kann.

Ein Aspekt, den alle diese Abläufe gemeinsam haben, ist die recht geringe Offensivpräsenz. Durch die ständig tiefen Flügelläufer und das Zurückfallen der Achter erfolgten die Angriffe meist mit 1 bis 2 Spielern Unterzahl. Drehte sich besipielweise Brekalo auf, um einen Pass auf den diagonal einlaufenden Victor zu spielen, attackierte Wolfsburg die Paderborner Viererkette mit 2 Mann.

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Eine Wolfsburger Chance nach Weiterleitung von Weghorst auf Victor. Die numerische Unterlegenheit ist auch in erfolgreichen Aktionen zu erkennen.

Dass numerische Überlegenheit in der Offensive nicht zwingend notwendig ist, sollte offensichtlich sein. Vielmehr vereinfacht sie erfolgsversprechende positionelle Interaktionen. Genauso wie man im 4 gegen 1 eher einen offenen Passweg finden wird, erreicht man bei einer Gleich- oder Überzahl im Strafraum auch eher einen Mitspieler in guter Position.

Tiefe Kontrolle

Das Wolfsburger Gegenpressing wurde durch die recht tiefe Positionsstruktur natürlich erheblich vereinfacht. Ballverluste erfolgten vornehmlich infolge des Zurückfallens der Zehner, woraufhin sowohl er selbst, als auch der ballnahe Sechser Balldruck erzeugen konnte.

Paderborn kam durch das Funktionieren des Gegenpressings weniger zur Geltung. Allenfalls breite Ballgewinne mit direkten Anschlussaktionen ins Zentrum sowie die schnelle Ausführung von Einwürfen hinter die Abwehr (die der Vfl, bei dem Guilavogui sich als einziger um die Tiefensicherung kümmerte, geradezu kömediantisch verteidigte) führten zu Kontermöglichkeiten. (Irgendwie kam es aber auch zu einem 3 auf 2 Konter)

Wolfsburg spielte nach Ballgewinnen aus dem Gegenpressing etwas unklug weiter. Anstatt sofort in eine breit gestaffelte Offensivstruktur zu kommen, das Spiel zu beruhigen und sich in die offene Breite zu lösen, entstanden langgezogen chaotische Ping-Pong-Situationen, in denen beide Mannschaften enge Staffelungen hatten und den Ball im Mittelfeld hin und her köpften.

Zwischen Altem und Raute

So langsam tut sich auf Paderborner Seite auch etwas im Ballbesitz. Wolfsburg verscuhte sich zwar im Angriffspressing, blieb dabei aber sehr vorsichtig. Grundsätzlich lief Weghorst zwischen den Paderborner Innenverteidigern an, während die Zehner im Zugriffsmoment auf die Außenverteidiger herausrücken sollten. Lediglich nach tiefen Verlagerungen liefen sie mal auf den Innenverteidiger an, um die Verlagerung auf den ballfernen Außenverteidiger zu erschweren.

Die Flügelläufer blieben entsprechend auch meist tief und hatten, auch in den Momenten, in denen sie hervorrücken mussten, zu viel Strecke zu bewältigen, um rechtzeitig anzukommen. Die Doppelsechs schob währenddessen die Paderborner Mittelfeldspieler zu.

Nach anfänglichen Momenten, in denen Gjasula und Vasiliadis auf einer Höhe nebeneinander agierten und Wolfsburg damit klare Zuordnungen lieferten, schob letzterer klarer als alleiniger Sechser ins Zentrum, während sich Vasiliadis hoch bewegte. In Verbindung mit weiträumigem Zurückfallen der Flügelspieler ergaben sich so phasenweise Rautenstrukturen im Mittelfeld.

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Souza fällt zurück und verlagert über Gjasula auf Jimmy, die AV rücken vor, fertig ist die Raute.

Die Bewegungen in der letzten Linie wurden in logischer Konsequenz aus den letzten Spielen fortgeführt, Michel und Mamba bewegten sich weiterhin gegenläufig. Genutzt wurden dabei vor allem Michels Läufe in die Tiefe, wodurch er mehrfach frei vor Casteels auftauchen konnte.

Fazit

Im dritten Spiel in Folge gegen ähnliche Staffelungen zeigen sich die taktischen Verhätnisse festgezurrt. Viele der Elemente, die sich aus den vergangenen Partien wiederholen, sollen hier nicht gesondert aufgezählt werden.

Paderborn kreiert im Laufe der Spielzeit wenige, dafür aber extrem gute Chancen, die wieder einmal nicht genutzt werden. Wolfsburg wird zum Opfer seiner mangelnden Offensivpräsenz und vertraut vor allem auf Schüsse aus der zweiten Reihe. Am Ende sind es Wundertore auf beiden Seiten, aus vergleichbarer Situation, mit vergleichbarer Technik, die zu einem 1:1-Remis, dem ersten von hoffentlich vielen Paderborner Punkten in dieser Saison führen

 

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