HaHaHertha

Mit dem fünften Spieltag ist der Fall komplett. Nach 4 Niederlagen und nur einem Remis ist Paderborn final auf dem Boden der Tatsachen, am Ende der Fahnenstange, am Schlusslicht der Bundesliga angelangt.

Doch spiegelt diese Platzierung die Leistungen nicht wirklich wieder. Gegen Wolfsburg hätte man mit etwas Glück siegen können, gegen Freiburg wäre es auch ohne Glück fast dazu gekommen, und nun, gegen die Berliner Hertha, hätte etwas weniger Pech ausgereicht.

Der SCP war über die gesamte Spielzeit die klar überlegene Mannschaft, sammelte 62% Ballbesitz, 8 zu 1 Ecken, 18 zu 6 Schüsse, aber auch, nun ja, 1 zu 2 Tore ein.

Taktisch war das Spiel sehr variabel, die Strukturen aber sehr volatil und nur kurzzeitig aufzufinden. Jedes Bild, jeder Ausschnitt dieses Spiels, würde eine unangemessene Eindeutigkeit implizieren und das Bild gleichbleibender Strukturen erzeugen. Wir wollen deshalb darauf verzichten.

Hertha presste das gesamte Spiel über aus einem 4-1-4-1, das sich bei einem Vorschieben des ballnahen Achters nach Verlagerungen zu einem 4-4-2 umformte. Im Mittelfeld wurden die Bewegungen der Paderborner Doppelsechs mannorientiert verfolgt, was der strategischen Zielsetzung eines MIttelfeldpressings, dem Schließen des Zentrums widersprach.

Da die Flügelspieler ebenfalls recht klar auf die Außenbahn und die dort hoch postierten Paderborner Außenverteidiger orientiert waren, konnten sich Jimmy und Souza als nominelle Flügelspieler immer wieder weit in den Halbraum, teilweise die Mitte und vereinzelt sogar komplett rüber auf die gegenüberliegende Seite bewegen.

In der Spitze schwammen Zolinski und Michel ebenfalls wild umher, wobei ersterer stärker verbindungsgebend, auch mal ballfern zurückfallend und Letzterer meist an der letzten Linie zum Ball schiebend agierte.

Nachdem man in der Anfangsphase einige Angriffe durch das Zentrum entwickelte, dabei aber wieder einen Mangel an strategischer Fokussierung auf die Öffnung und Nutzung der Außenbahn zeigte, kippte der Spielfokus insbesondere in der zweiten Hälfte stärker auf die linke Seite.

So ließ sich Gjasula diagonal neben die Innenverteidiger fallen, um den Ball von dort nach vorne zu treiben und Kombinationen an der Außenbahn zu initiieren. An der Außenbahn fixiert, gelang der Durchbruch nur selten, teilweise durch zweite Bälle nach Flanken, teilweise durch Steilpässe, vor allem aber durch Verlagerungen auf der anderen Seite.

Dort machte man sich keinen strategischen Vorteil zunutze, sondern nutzte schlichtweg die sehr offensive Entscheidungsfindung Drägers aus. Auch ohne einen dynamischen oder positionellen Vorteil suchte er die Hereingabe, selbst wenn er diese, wie beim Treffer, über drei aufeinanderfolgende Haken erzwingen musste.

Um es noch einmal klar zu betonen, Paderborn hatte mit allen Problemchen weit mehr Chancen als die Hertha, vergab diese allerdings abermals schlampig.

Interessanterweise fokussierte die Hertha offensiv ebenso die linke Seite. Hier war es wohl recht eindeutig, dass Dräger und Strohdiek die schwächeren Glieder der Paderborner Abwehrkette sind. In geordneten Phasen bewegte sich Duda herüber, während auch Grujic immer wieder nach vorne schob, Plattenhardt den Flügel beackerte und Dilrosun unfassbar stark dribbelte.

Während man das 1:0 noch unter einem Moment purem Genies abstempel kann, muss man spätestens beim 2:0 an einen wiederkehrenden Fehler erinnert werden. Schon in den vergangenen Jahren kassierte Paderborn Tore, weil Strohdiek in einer negativen Dynamik, im kollektiven Zurückweichen zum eigenen Tor, auf den ballführenden heraussprang und damit einen nicht zu schließenden Raum in seinem Rücken öffnete. Auch diesmal wiederholte sich dieses Muster, nicht nur im Ansatz beim ersten und im Extremum beim zweiten Tor, sondern bei weiteren Berliner Chancen.

Welches Fazit mag man unter einem solchen Spiel ziehen? Zu allererst einmal, Paderborn ist nicht die schlechteste Mannschaft der Liga. Solange man eine Hertha hat, deren Trainer bei einem Heimspiel gegen den Underdog der Liga davon spricht, dass Paderborn im kontrollierten Ballbesitz nicht kontern könne (schlaues Kerlchen) und deswegen ungefährlich sei, ist das Schlusslicht wohl vergeben.

Beim SCP ist man nun dennoch auf dem letzten Platz angekommen. Es kann nur noch nach oben gehen. Und mit mehr Variationen, mit dem Versuch mutigen Ballbesitzspiels und der Rückkehr Schonlaus wird es dies sicherlich auch.

Nur….. wohl nicht gegen die Bayern.

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